Repräsentant für Volkswagen
.
Die Fragen stellte Arne Olerth.
Zur Person Hans-Joachim Stuck
Hans-Joachim Stuck wurde am 1. Januar 1951 in Garmisch-Partenkirchen
als Sohn eines Rennfahrers geboren. Er bestritt 1969 im Alter
von 18 Jahren sein erstes Rennen auf dem Nürburgring und legte
damit den Grundstein zu unzähligen Siegen.
1970 gewann er das erste 24-Stunden-Rennen in der grünen Hölle. In den 1970er-Jahren startete Stuck in 74 Formel 1-Grand Prixs. 1985 wurde er Langstrecken-Weltmeister und gewann 1986 und 1987 in Folge die 24-Stunden-Rennen von Le Mans und im Jahr darauf die amerikanische TransAm-Tourenwagen-Weltmeisterschaft. Stuck holte sich 1990 den Titel der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft DTM. 1998 gewann er als erster Rennfahrer das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring auf einem Diesel und wiederholte den Sieg auf einem Benziner 2004. Stuck war über viele Jahre Werksfahrer für BMW, Ford, Porsche und Audi und arbeitet seit Januar 2008 als Motorsport-Repräsentant des Volkswagen-Konzerns. |
Sie sind seit dem Jahresbeginn für
Volkswagen tätig. Welche Tätigkeiten
üben Sie dort aus?
Meine Aufgabe ist es den
Volkswagen-Vorstand auf Konzernebene in allen
Belangen des Motorsports zu beraten.
Wir machen uns Gedanken, wie wir
die einzelnen Marken in Zukunft im
Motorsport entwickeln können und in
welchen Rennserien wir sie einsetzen.
Natürlich gilt es auch zu beachten, dass
die einzelnen Konzernmarken möglichst
nicht gegeneinander antreten.
Wie kompatibel sind Motorsport und
Umweltschutz?
Motorsport und Umweltschutz vertragen
sich sehr gut. Gerade in den Rennserien
der Deutschen Tourenwagen-Masters
(DTM), den Rallyes und
Tourenwagenrennen hat sich Einiges in
Sachen Umweltschutz getan. Die Nutzung
und Umsetzung von alternativen
Energien sowie Energierückgewinnung
werden zukünftig sehr wichtig sein.
Nur dann können wir unser liebes Kind,
den Motorsport, auch weiter vernünftig
betreiben. Wir können durch die Nutzung
dieser Energien einen Vorsprung
erreichen, der auch in die Serie umgesetzt
werden kann. Sogar in der Formel
1 wird das Reglement gerade in Richtung
Energierückgewinnung ausgerichtet.
Die Serienfahrzeuge profitieren
enorm von diesen Entwicklungen,
schließlich ist der Motorsport immer
noch das härteste und schnellste Prüffeld
der Welt.
Was bedeutet die Absage des
Rallye-Klassikers Paris-Dakar für das Jahr
2008 wegen einer Drohung des Terrornetzwerks
Al-Kaida?
Die Absage der Dakar war für mich persönlich
eine sehr große Enttäuschung.
Zum einen wäre die Rallye mein erster
großer Einsatz für Volkswagen gewesen.
Zum andern war es eine ganz brutale
Erfahrung zu sehen, wie groß die
Enttäuschung unter den Fahrern war.
Das Teilnehmerfeld besteht zu mehr als
60 Prozent aus Amateuren, die sich mit
viel Zeit und Geld auf diese Rallye vorbereitet
haben. Die Absage war für
viele Fahrer ein harter Schicksalsschlag.
Alles in allem war das kein schöner Einstand
für mich. Dennoch: Aufgrund der
aktuellen Sicherheitslage erfolgte die
Absage völlig zu Recht.
Welche Konsequenzen wird die Absage
der Rallye Dakar für den Motorsport
haben?
Die Rallye Dakar ist vorerst gestorben,
das ist klar. Es gibt aber einige Ersatzveranstaltungen,
wie zum Beispiel im
April in Ungarn. Dort wird auch ein
Großteil der Fahrerteams der
Paris-Dakar mitmachen. Volkswagen hat
dazu noch keine Entscheidung getroffen.
Auch die Austragung der Veranstaltung
in Argentinien und Chile 2009
wurde noch nicht entschieden. Wir
werden erst einmal abwarten, inwiefern
das realisierbar ist und wo die
Reise hingeht. Wir sind diesbezüglich
gerade im Entscheidungsprozess.
Was sind Ihre Visionen für den Motorsport?
Der Motorsport muss in seinen jetzigen
Formen erhalten werden. Er ist für
mich als Automane das liebste Kind.
Dieser Sport hat immer noch einen
unglaublich hohen Unterhaltungs- und
Identifikationswert, besonders was Rallye-
und Tourenwagen angeht. Aber wir
müssen auch ganz eindeutig Verantwortung
übernehmen und unseren
Beitrag zum Umweltschutz leisten. Wir
müssen alternative Energien mit einbinden
und entsprechende Regularien
entwickeln, um diese vernünftig einsetzen
zu können.
Sie haben unzählige Siege eingefahren,
unter anderem als Langstreckenweltmeister,
zweimal in Le Mans und
haben einmal die DTM gewonnen.
Bedeutet der Einstieg bei Volkswagen
nun das Ende Ihrer aktiven Fahrerkarriere?
Nein, mit Sicherheit werde ich weiter
aktiv am Rennzirkus teilnehmen. Dieses
Jahr werde ich beim 24-Stunden-Rennen
auf dem Nürburgring wieder dabei
sein, ich werde beim neu geschaffenen
Jetta-Biodiesel-Cup in den USA mitfahren
und wie letztes Jahr auch am
Truck-Grand-Prix auf dem Nürburgring auf
MAN teilnehmen.
Aber Sie sind auch auf einer anderen
sportlichen Ebene, dem Wintersport,
aktiv.
Das ist richtig. Seit mehreren Jahren
bin ich für die Ausrichtung der Disziplinen
der Fulda-Challenge verantwortlich,
ein Extremsport-Event in den kanadischen
Yukon-Territories. Ich habe die
einzelnen Disziplinen wie Eisklettern
und Mountainbiken im Schnee mitentwickelt
und auch ausprobiert. Aber
natürlich habe ich in meinem heutigen
Alter keine Chance gegen die dort
antretenden Top-Athleten. Diese Veranstaltung
übt einen besonderen Reiz auf
mich aus, da ich sehr naturliebend bin.
Unter solchen Bedingungen dort einen
Wettkampf auszutragen mit Hundeschlittenrennen,
Snowmobil fahren
und Ähnlichem ist wahnsinnig interessant.
Seit einigen Jahren lassen wir die
Athleten zusammen mit VIPs starten,
das macht sehr viel Spaß.
Welches war der bedeutendste Erfolg
Ihrer Motorsport-Karriere?
Der letzte Erfolg ist natürlich immer
der schönste, und das war das
24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring vor
drei Jahren auf BMW. Mein Titelhighlight
war sicher der Gewinn der Langstreckenmeisterschaft
1985 mit einem
Weltmeistertitel. Am meisten gefreut
haben mich aber die gemeinsamen
Siege mit meinem ältesten Sohn
Johannes auf dem Nürburgring bei
Langstreckenrennen.
Soll das Stuck´sche Fahrerteam in der
Zukunft noch häufiger zum Einsatz
kommen?
Aber ja. Wir haben fest im Visier, 2009
oder 2010 mit beiden Söhnen als
Stuck-Trio am 24-Stunden-Rennen auf dem
Nürburgring teilzunehmen. Das wäre
dann für mich auch der richtige Zeitpunkt
zu sagen: Jungs, jetzt könnt ihr
selber fahren. Und damit würde ich das
Lenkrad dann weitergeben.
Wie definieren Sie Karriere?
Karriere bedeutet nicht nur Erfolg zu
haben, sondern über einen langen Zeitraum
erfolgreich zu sein. Es ist aber
genauso wichtig, sich einen guten Ruf
aufzubauen und diesen zu bewahren.
Welchen Tipp geben Sie einem
Hochschulabsolventen beim Start ins
Berufsleben?
Wir haben alle die gleichen Voraussetzungen.
Jeder muss versuchen, für sich
das Beste aus seinen Neigungen und
Fähigkeiten zu machen. Wenn ich bei
mir auf 38 Jahre Erfahrung im Motorsport
und Geschäftsleben zurückblicke,
so muss ich feststellen, dass es immer
wichtig war, Visionen und Ziele zu
haben. Man muss dann auch mutig
sein und diese anpacken. Wenn ich ein
Sättigungsgefühl bekomme, weil es
mir zu gut geht, so ist das ein schlechtes
Zeichen. Man muss immer beißen,
dann bringt man es auch zu was.


Hans-Joachim Stuck wurde am 1. Januar 1951 in Garmisch-Partenkirchen
als Sohn eines Rennfahrers geboren. Er bestritt 1969 im Alter
von 18 Jahren sein erstes Rennen auf dem Nürburgring und legte
damit den Grundstein zu unzähligen Siegen.


